Freitagnacht mitteleuropäischer Zeit ging die lange erwartete SMS ein, in der Barack Obama Joe Biden als seinen Vize bekannt gab. Jetzt stellt sich der 65-jährige Senator aus Delaware vor. In einer E-Mail mit seinem Absender und einem schlichten „hello“ im Betreff schrieb er Barack Obamas Unterstützern. Er versprach Obamas Bewegung zu vergrößern und bat:
„Bitte schauen Sie sich das Video an und leiten Sie es weiter. Danke, Joe“
Tiefere Einblicke in Joe Bidens Leben gab Christian Wernicke in der Süddeutschen Zeitung. Es überwiegt der Eindruck vom Wunderkind Biden, das nach 36 Jahren im Kongress so gut wie keine Feinde hat und auch den Respekt der Republikaner genießt. Biden wuchs als Sohn eines katholischen Autohändlers auf und stotterte als Kind, aber er behauptete sich und studierte Geschichte, Politik und Jura. Er trainierte seine Wortgewalt und wurde nach ein paar Jahren als Anwalt mit nur 29 Jahren zum Senator gewählt. Trotzdem kann sein schnelles Mundwerk ihm auch zum Verhängnis werden. So zählt zu seinen jüngeren Fehltritten das im letzten Jahr mißlungene Lob über Obama: Er sei eben der erste Afro-Amerikaner, der „klug und sauber und gut aussehend“ daherkomme. Doch diese Äußerung scheint ebenso verjährt wie das Schönen seiner angeblich überdurchschnittlichen College-Noten. Das Wunderkind hat sich also auch ab und an durchgemogelt.
Bidens Synergie-Effekt für die Obama-Kampagne speist sich aus seiner außenpolitischen Erfahrung und seiner bodenständigen Art. Er lehnt militärische Gewalt nicht grundsätzlich ab, sondern sprach sich Mitte der neunziger Jahre öffentlich dafür aus, dass in Bosnien US-Luftangriffe gegen die serbische Gewalt eingesetzt werden. Mit seiner unprätentiösen Art und seinem kräftigen Händedruck kann Biden für Obama in den wahlentscheidenden Swing-States punkten. Es geht um die Stimmen der Katholiken in Pennsylvania und die der Waffenfreunde aus West Virginias Provinz.
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