Nach der internationalen Festwoche, die Barack Obama mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin gekrönt hatte, stellt sich die Frage nach den Effekten seiner Auslandsreise. Hat er im Zuge der hohen medialen Aufmerksamkeit und der in großen Teilen positiven Beurteilung seiner Welttournee Punkte an der Heimatfront machen können? Diese Frage stellt sich auch Adam Nagourney in der New York Times. Wie Nagourney richtig anmerkt, ist es in der Tat auffällig, dass die Massen zwar zu Obama strömen, sich der überbordende Enthusiasmus für seine Person und seine Botschaft aber kaum in den Umfragen ablichten lässt. Natürlich führt Obama weiterhin das Rennen gegen John McCain an, aber sein Vorsprung bewegt sich in einem Rahmen von etwa zwei bis sieben Prozent. Bisher hat er die psychologisch so wichtige Marke von 50 Prozent Wählerzustimmung noch nicht erreicht.
Interessanterweise scheint McCain seine zugewiesene Rolle des medialen Hinterbänklers wenig zu schaden. Die Anti-Bush-Stimmung kann dem politischen Haudegen wenig anhaben, der sich als unabhängiger Politiker mit Reformpotenzial verkauft. Müssen wir also um einen Sieg Obamas fürchten?
Entwarnung kommt vom National Committee for an Effective Congress (NCEC). Die Organisation ist das historische Wählerwissen der Partei, weil sie so fundiert wie kaum eine andere Institution Wählertrends für demokratische Kandidaten analysiert. Und dies überall im Land, von der Bundes- bis hinunter auf die Kreisebene. NCEC streicht den Unterschied zwischen diesem Wahljahr und den letzten beiden heraus, die bekanntlich erfolgreich für die Republikaner endeten.
Seit Februar diesen Jahres liegt Barack Obama konstant in den Umfragen vor John McCain. Selbst in den bisher schwierigsten Zeiten seiner Kampagne, kurz nach den Vorwahlen in Pennsylvania, änderte sich an diesem Trend nichts. Diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu den Zahlen aus 2004, als John Kerry gegen George W. Bush antrat. In jenem Jahr wechselte die Stimmung sehr stark. Kerry konnte zu keinem Zeitpunkt einen so substantiellen Vorsprung erarbeiten wie Obama ihn heute besitzt.

Quelle: NCEC
In Zeiten eines polarisierten Elektorats in den USA, das eine weitaus geringere Zahl von Wechselwählern kennt wie das deutsche, scheinen zwei bis sieben Prozent Vorsprung ein guter Wert zu sein. Rufen wir uns in Erinnerung. Falls Obama die Staaten gewinnt, die Kerry 2004 für sich entscheiden hat, dann muss er „nur“ noch Ohio in sein Portfolio holen, um über die magische Zahl von 270 Wahlmännerstimmen zu kommen. Einfach wird das nicht. Obama hat aber die besseren Optionen. Gewinnt er Ohio wider Erwarten nicht (die Umfragen sehen ihn dort mit 1,5 Prozent vorne) kann er sich die 20 Stimmen auch in Virginia, New Mexico, Iowa, Colorado oder Nevada zusammenholen.
Es bleibt wie immer… spannend!
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