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The Winner Is...?Montag, 29. September 2008
Sie trafen sich also doch, die beiden Kontrahenten. John McCain hatte seine Teilnahme am ersten TV-Duell lange Zeit in der Schwebe gehalten. Am Freitagabend erschien er aber doch auf dem Podium der „Ole Miss“ (University of Mississippi) in Oxford, um mit Barack Obama verbal in den Ring zu steigen.
Vorweg: Die Debatte hatte keinen klaren Sieger. Beide Kandidaten wirkten präsidentiell, keiner konnte sich entscheidend gegen den anderen durchsetzen. In den ersten 40 Minuten hatte Obama einen leichten Vorteil, weil es um die aktuelle Finanzkrise ging. Die Taktik des jungen Senators war es, McCain mit der Wirtschaftspolitik der unpopulären Bush-Regierung in Verbindung zu bringen. Das gelang ihm - zumindest rhetorisch – ganz gut. Im zweiten Teil der Debatte ging es – wie ursprünglich geplant – um Außenpolitik. Obwohl McCain Probleme hatte, die Namen des iranischen und des pakistanischen Staatspräsidenten richtig auszusprechen, zeigte er sich insgesamt als dominant bei diesem Thema. Immer wieder schien er Obama als Politnovizen behandeln zu wollen. Die Phrase „Barack Obama doesn´t understand“ benutzte er häufig. Obama sah aber nicht aus wie ein Kandidat, der nichts versteht. Er verhielt sich diametral zu McCains „running mate“ Sarah Palin, die kürzlich wieder in einem ABC-Interview mit Katie Couric neue Peinlichkeiten von sich gegeben hatte. Dennoch geriet Obama in die Defensive, als es z.B. um seine Ankündigung ging, sich ohne Vorbedingungen mit Diktatoren zu außenpolitischen Gesprächen treffen zu wollen. Alles in allem endete das Duell in einem Patt. McCain wirkte gelöst, ein wenig arrogant, aber immer mit einem smarten Lächeln auf den Lippen. Obama musste wie ein Führer in Krisenzeiten - wie ein ernster und ernst zu nehmender Commander-in-Chief - auftreten. Das tat er ohne Umschweife, auch wenn sein sonorer, kühler Ton schon fast etwas zu distanziert wirkte. Wie üblich versuchten beide Seiten, der Debatte über die TV-Debatte ihren eigenen Spin hinzuzufügen. Der ging aber größtenteils unter in der Berichterstattung über den Kompromiss zwischen Kongress und Exekutive über den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan für die angeschlagenen Kreditinstitute. Verlierer des Abends war sicherlich das Format. Die Kandidaten hatten zwei Minuten Zeit für Statements, danach sollten fünf Minuten des Dialogs zwischen McCain und Obama über die Frage des Moderators Jim Lehrer folgen. Beide Kandidaten gingen aber selten aufeinander ein. McCain würdigte Obama kaum eines Blickes. Der ansonsten ausgezeichnet agierende Lehrer hatte es schwer, die Vorgaben der Debattenkommission umzusetzen. Am 7. Oktober geht es weiter mit dem nächsten TV-Duell. Es wird im Town-Hall-Format stattfinden. Diese Art der Debatte, bei der ausgewählte Zuschauer direkt Fragen an die Kandidaten stellen dürfen, liegt dem spontanen, schlagfertigen McCain. Ein Positivum für den Senator aus Arizona, der unbedingt Boden gegenüber Obama gut machen muss. Die letzten Umfragen zeigen, dass der Demokrat in nationalen und vielen einzelstaatlichen Umfragen deutlich in Führung gegangen ist. Das lag aber weniger an der TV-Debatte als viel mehr an der Wirtschaftskrise, die demokratische Kandidaten generell zu bevorzugen scheint. Hier die komplette Debatte zum Selberschauen.
Blogeintrag von Maik Bohne
um
11:09
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Tags für diesen Artikel: Außenpolitik, Barack Obama, Debatte, Finanzkrise, John McCain, Sarah Palin, TV
The Multitasking of a PresidentDonnerstag, 25. September 2008
Es war spannend, gestern bei CNN dabei zu sein. Das Zeichen „Breaking News“ wird sicherlich viel zu inflationär gebraucht. An diesem historischen Abend hatte es aber seine Berechtigung. John McCain – bekannt für seine schnellen, irrationalen Entscheidungen - zog einmal mehr ein Kaninchen aus dem Zauberhut seiner Kampagne. Er setzte seinen Wahlkampf bis auf weiteres aus. Die für Freitag geplante TV-Debatte mit Barack Obama legte er auf Eis.
Was war geschehen? Barack Obama hatte John McCain am Morgen angerufen, um ihn von der Idee zu überzeugen, zusammen ein Papier zur Finanzkrise zu veröffentlichen, das die gemeinsamen Positionen der beiden Kandidaten beinhalten sollte. McCain fand die Idee gut, aber er merkte sofort, dass ihm Obama damit das Heft des Handelns aus der Hand genommen hatte. Und das vor dem Hintergrund fallender Umfragewerte für ihn und Berichten über die Geschäftverbindungen seines Kampagnenmanagers Rick Davis mit dem Hypothekenriesen Fannie Mae. Also fühlte sich McCain bemüßigt, seinerseits in die Offensive zu gehen. Sein Schachzug machte oberflächlich gesehen Sinn. McCain bewegte sich mit dieser Aktion ganz im Rahmen seiner Botschaft des „America First“. Sein Motto lautete in etwa so: „Wir können nicht Wahlkampf machen in einem Moment, in dem uns das Land braucht. Wir müssen zurück nach Washington, um einen überparteilichen Beitrag dazu zu leisten, einen Rettungsplan für die angeschlagene Kreditbranche aufzusetzen. Und debattieren macht in diesem Umfeld auch keinen Sinn.“ Das setzte Obama unter Druck. Immer wieder wurde seine Pressekonferenz verschoben. Aber natürlich blieb CNN dran. Irgendwann erschien der junge Senator schließlich. Er legte eine sonore, tragende Stimmlage auf, die das Bild eines ruhigen und gelassenen Politikers in Zeiten der Krise vermitteln sollte. Obama sprach sich gegen ein Aussetzen der Wahlkampfaktivitäten aus und lieferte dafür zwei gute Gründe. Zum einen wollten die Bürger des Landes doch gerade jetzt von den beiden Kandidaten hören, wie sie die Krise lösen können. Guter Punkt. Zum anderen müsse ein Präsident doch in der Lage sein, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, er sollte multitasking-fähig sein. Noch besserer Punkt. Auch in Washington mehrten sich derweil bereits die Stimmen, die vor dem großen Auftritt der Präsidentschaftskandidaten warnten. In der Tat ist die Gefahr groß, dass die Auftritte von McCain und Obama die Verhandlungen eher verzögern als voranbringen. Egal: Es stellte sich bald heraus, dass die beiden Kandidaten heute keine andere Wahl haben als nach Washington zu reisen. Der Präsident, der am Abend die Nation noch mit warnenden Worten auf seinen Rettungsplan eingeschworen hatte, lud zur Aussprache in Weiße Haus, die zusammen mit den Parteiführern im Kongress stattfinden soll. Eine konzertierte Aktion mit der McCain-Kampagne? Man darf sich diese Frage durchaus stellen… Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe ...Dienstag, 23. September 2008Battleground (s.o.): McCain 48, Obama 46 Rasmussen: McCain 48, Obama 48 Research 2000: Obama 49, McCain 43 Wie glaubwürdig sind die aktuellen Meinungsumfragen zum Us-Präsidentschaftswahlkampf? Allein die hier vorgestellten drei Umfragen kommen nicht auf die gleichen Ergebnisse. Jerome Armstrong bewertet die Resultate bei MyDD folgendermaßen: Alle drei Meinungsforschungs-Institute arbeiten mit „likely voter polls“ im Gegensatz zu Gallup und Hotline, die mit „registered voter trackings polls“ arbeiten. Aber warum kommen die drei methodisch gleich vorgehenden Institute nicht auf die gleichen Zahlen, und wem kann man eher vertrauen? Ein Blick in die Firmengeschichte der drei gibt etwas mehr Aufschluss über ihre Zuverlässigkeit. Battleground gilt in der Branche als zuverlässigster Hellseher. Bei den Präsidentschaftswahlen 1992, 1996 und 2004 lagen sie deutlich vorn und zwar nicht nur in ihrer Schlussprognose 51,2 für Bush und 47,9 für Kerry, sondern auch in der Einschätzung der gleich hohen Wahlbeteiligung bei Demokraten und Republikanern. Auch Rasmussen lag mit seinen Erhebungen zur 2004-Wahl auch vorne. Ihre Vorhersage 49,4 für Bush und 48,8 für Kerry war ziemlich gut. Research2000 dagegen hat noch keine Erfahrung in Bezug auf nationale Umfragen. Es scheint recht wahrscheinlich, dass sie weniger exakte Werte liefern. Jerome Armstrong traut Battleground & Rasmussen die höchste Treffsicherheit zu. Damit läge John McCain eine Nasenspitze vorn. Ans Wesentliche denkenDienstag, 23. September 2008
Zur Zeit bestimmt die Finanzkrise die Schlagzeilen und damit auch den Wahlkampf. Obamas Kampagnenmacher verlieren bei all dem Trubel aber nicht den Blick für das Wesentliche. Ein wichtiger Baustein in Obamas Kampagne ist es, mehr Wähler in den politischen Prozess zu bringen. In den USA ist dies gleichbedeutend mit der Intensivierung der Wählerregistrierung. Wir erinnern uns. In den Vereinigten Staaten gibt es kein automatisches Wahlrecht. Nur, wer sich im Vorfeld der Abstimmung als Wähler registriert hat, wird zum Urnengang zugelassen.
Barack Obama hat nicht nur ein neues Portal voteforchange.com geschaffen, auf dem man sich online für die Wahl registrieren lassen kann, sondern er wirbt auch auf Webseiten (s. unten) massiv für die „Register to Vote“-Kampagne. In diesem Falle hat uns das Geo-Targeting-System als Surfer aus dem Ausland identifiziert. Deswegen bekommen wir den Hinweis „Don´t miss the deadline to vote from abroad.“ Sehr interessant.
Wirtschaftsabschwung = Obamas Aufschwung?Freitag, 19. September 2008
John McCain und Barack Obama kämpfen derzeit um die beste Antwort auf die Finanzkrise in den USA. Hilflos mussten sie in den letzten Tagen zuschauen, wie die großen Investmentbanken ins Trudeln gerieten. Das Heft des politischen Handels hat zurzeit eher die Bush-Regierung in der Hand. Finanzminister Arthur Paulson ging gestern mit einem Rettungsplan für die angeschlagenen Banken in die Offensive. Das stabilisierte die Märkte, zumindest kurzzeitig.
John McCain machte bisher alles andere als eine gute Figur. Er schlingerte gewaltig. Populistisch griff er zwar die gierigen Investmentbänker an der Wall Street an und forderte Christopher Cox, den Vorsitzenden der obersten Regulierungsbehörde, der Securities and Exchange Commission (SEC), zum Rücktritt auf. Aber klare politische Lösungen hatte er nicht parat. Am Dienstag lehnte er eine Regierungshilfe für den Großversicherer AIG ab, um sie am Mittwoch doch zu unterstützen, als klar wurde, dass die Bush-Administration eingreifen wollte. Zu Beginn der Woche forderte McCain eine „9/11-style commission“, um das Problem an der Wall Street nach der Krise in Ruhe aufzuarbeiten. Als gestern aber klar wurde, dass das Weiße Haus fieberhaft daran arbeitete, einen Rettungsfonds für „faule“ Kredite einzurichten, schwenkte er schnell auf dessen Linie um. Die Demokraten sind die Schutzpartei des kleinen Mannes. In der Regel profitieren ihre Kandidaten politisch in Zeiten von Wirtschaftskrisen. Auch Obamas Hoffnungs- und Wandelrhetorik kommt jetzt gelegen, weckt sie doch implizit Erinnerungen an den großen demokratischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der den Amerikanern mitten in der Weltwirtschaftskrise optimistisch zurief: „Happy Days Are Here Again“. Die letzten Umfragen zeigen, dass Obama wieder an McCain vorbeigezogen ist. Nicht nur national, sondern auch in so wichtigen Schlüsselstaaten wie Michigan, Ohio, New Mexico oder Indiana. So zynisch diese Aussage auch ist, in ihr steckt eine wichtige Wahrheit: Der wirtschaftliche Abschwung befördert Obamas politischen Aufschwung. Obama wird persönlichMittwoch, 17. September 2008
Barack Obama wollte eine explizit positive Kampagne zu führen. Er nahm sich vor, einen neuen kommunikativen Stil zu prägen, der ohne dumpfen Negativwahlkampf, ohne Verdrehung von Tatsachen, ohne Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung auskommen sollte. Er weigerte sich, die üblich zynische Spin-Doctor-Kampagne zu machen, den die professionelle Beraterkaste in Washington, DC seinen Kandidaten regelmäßig verordnete. Der Bruch mit dem alten Wahlkampfparadigma sollte radikal sein.
Nach zwei Monaten der harten Attacke von Seiten John McCains und der Republikaner wird nun auch Barack Obama persönlicher. Seine beiden letzten Wahlkampfspots sind ein Beleg dafür, dass der junge Senator, der als Gutmensch in das Haifischbecken Wahlkampf gestiegen war, nun auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist, der da heißt: „Negatives drive the numbers“ – Negativwahlkampf wirkt! Im Spot „Honor“ greift Obama McCain für seine unlauteren Attacken an und schließt mit dem Satz: „Deception is all he has left.“ Der Spot „Still” macht sich offen über McCains Alter und Rückständigkeit lustig. Die implizite Botschaft: Dieser Mann ist „out of touch“ und viel zu alt, um Präsident zu werden. Palin und Clinton in SNLMittwoch, 17. September 2008
Saturday Night Live, kurz SNL, ist seit Jahren eine der Kultshows im amerikanischen Fernsehen, die sich immer noch gegen die Daily Show oder den Colbert Report behaupten kann. Bill Clinton spielte hier einst das Saxophon, George W. Bush bekam hier regelmäßig sein Fett weg. Paradedisziplin der Crew ist die Parodie.
Das war am Samstag mal wieder eindrucksvoll mitzuerleben, als Sarah Palin (alias Tina Fey) und Hillary Clinton (alias Amy Poehler) in den Ring stiegen, um sich über Sexismus im Wahlkampf auszulassen. Ein absolutes Highlight, vor allem die Imitation von Sarah Palin durch Tina Fey:
Die Kandidaten und die BörseDienstag, 16. September 2008
Die Finanzkrise hat nicht nur die Börsen dieser Welt fest im Griff, sondern auch den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Beide Kandidaten sind keine ausgesprochenen Kenner der Finanzwelt, auch wenn die Wall Street zu ihren größten finanziellen Unterstützern gehört.
John McCain und Barack Obama unterscheiden sich in ihren Ansätzen zur Lösung der Krise nur wenig voneinander. Generell möchte Obama jedoch etwas mehr staatliche Regulation und Oberaufsicht über Investmentbanken, Hypothekenhändler und Hedge Fonds. Er sprach sich u.a. für eine neue Regierungsbehörde aus, die den Finanzsektor beobachtet und an das Weiße Haus und den Kongress berichtet. Auch wenn McCain punktuell schärfere Kontrolle in Aussicht stellt, so setzt er etwas stärker auf die Selbstheilung des Marktes, ganz im Sinne der marktliberalen Philosophie seiner Partei. Was sind die politischen Konsequenzen der Krise? Sie kann Barack Obama helfen, in diesem Wahlkampf wieder in die Offensive zu gehen. Lange Zeit hatte es McCain geschickt verstanden, das Rennen zu einer Charakter- und Persönlichkeitsfrage zu machen. Der Patriot gegen den elitären Superstar, so hieß seine Leitlinie. Die Finanzkrise erlaubt es Obama nun, die Sicht der Wähler wieder auf das Umfeld zu richten, in dem diese Wahl stattfindet. Dieses Umfeld wird bestimmt von den Themen: Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft. In einem Statement von heute morgen schnürte Obama bereits ein zitierfähiges Paket. Er gab zu Protokoll: „I certainly don’t fault Senator McCain for these problems, but I do fault the economic philosophy he subscribes to.“ Washington Post-Journalist Chris Cillizza führt auf seinem Blog „The Fix” fünf Ratschläge auf, wie Obama die Krise politisch nutzen kann. Unter anderem schlägt er dem Senator vor, sich mit der Belegschaft der Investmentbank Lehman Brothers zu treffen, eine zweitägige Tour durch den kriselnden Staat Ohio zu machen oder eine Nacht im Haus einer Familie zu verbringen, die von der Hypothekenkrise betroffen ist. Sicher keine schlechten Ideen. Wichtig ist aber, dass Obama die Chance nutzt, um den Wählern vor Augen zu führen, dass es bei dieser Wahl um mehr geht als nur um Personen, will heißen: um Arbeitsplätze und das eigene Portemonnaie. Fremdschämen mit Sarah PalinFreitag, 12. September 2008
Sarah Palin trat zu ihrem ersten großen Interview an. Lange hatte die McCain-Kampagne ihren Baraccuda vor der Presse geschützt. Nun bekam Charlie Gibson von ABC News das zweifelhafte Privileg, die Gouverneurin in Alaska zu besuchen und zu befragen. Palin hatte sich mit einem Heer von McCains Beratern auf diesen Termin vorbereitet. Es sollte um das Thema Außenpolitik gehen. Milde gesagt: nicht eines ihrer Steckenpferde.
Die Frau, die die Nummer Zwei im Staate werden will, machte keinen Riesenfehler. Aber das Interview lädt doch unweigerlich zum Fremdschämen ein. Charlie Gibson, ein alt ehrwürdiger Journalist mit viel Erfahrung, nahm Palin nur sanft in die Zange. Aber das reichte, um sie bloß zu stellen und Gibson sichtlich zu frustrieren. Die Gouverneurin wirkte gestelzt. Sie fiel in ihrer Unsicherheit immer wieder auf Worthülsen zurück – Lieblingssatz: „We will not second-guess“. Befragt nach ihrer außenpolitischen Erfahrung nannte sie ihre Kompetenzen in Energiefragen, sie sei ja schließlich Vorsitzende der Alaska Oil and Gas Conservation Commission. Aha? Zur Kaukasus-Krise gab sie bekannt, dass Russland georgisches Territorium „ohne Anlass“ angegriffen habe. Man mag zu Russland stehen, wie man will, aber das Wort „unprovoked“ ist in diesem Zusammenhang durchaus einseitig. Es wurde noch viel besser. Auf ihre Auslandsreisen angesprochen, gab sie stolz zu Protokoll, sie sei in Kanada und Mexiko gewesen. Hmm. Ach ja. Letztes Jahr hatte sie ja noch ihren „trip of a lifetime“ nach Kuwait und Deutschland, um amerikanische Truppenstützpunkte zu besuchen. Nun denn. Höhepunkt war die Frage Gibsons, wie Palin denn zu der Bush-Doktrin stehe. Sichtlich konsterniert antwortete sie: „In welcher Hinsicht?“ Gibson hatte keine Lust, ihr die Doktrin zu erläutern. Palin ruderte und ruderte und ruderte und fragte: „Meinen Sie seine Weltsicht?“ Nach langem Herumlavieren hatte Gibson dann ein Einsehen und teilte ihr völlig entnervt mit, die Doktrin ihres Parteigenossen ziele darauf ab, feindlich gesinnte Ländern mit präemptiven Schlägen zu schwächen, bevor sie die USA angreifen könnten. Ohne Worte! Interessante Teile aus dem Interview sind hier zu sehen: Palins Denken über Gott und den Krieg gibt es hier: Wahlkarte zum SelbermachenFreitag, 12. September 2008
270. Das ist die magische Zahl für Barack Obama und John McCain. Wer 270 oder mehr Stimmen im Electoral College beisammen hat, der wird Präsident der Vereinigten Staaten. Alles andere zählt nicht. Daher ist der Kampf um die sog. „battleground states“ - die Schlüsselstaaten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden - mittlerweile voll entbrannt.
Kann Obama auch ohne die 20 Stimmen aus Ohio gewinnen? Mit zusätzlichen Wahlmännern aus Virginia, Colorado und New Mexico könnte es gehen. Was passiert in Indiana? Ist Florida schon an McCain verloren? All diese Fragen werden in den nächsten Wochen immer relevanter. Der Meta-Umfragedienst RealClearPolitics, ein Geheimtipp unter politischen Junkies, hat deshalb eine virtuelle Wahlkarte zum Selbstgestalten im Angebot. Man kann sich hier online sein eigenes Wahlergebnis zusammenreimen. Ich kam beim ersten Durchgang erstaunlicherweise auf ein Unentschieden: 269-269. Träte dieser Fall ein, dann käme das Repräsentantenhaus ins Spiel. Es müsste dann über den Präsidenten abstimmen. Das passierte zuletzt 1824, als damals vier Kandidaten die absolute Mehrheit im Electoral College verfehlten. Nach den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen würde sich Barack Obama durchsetzen…
John McCain: Die Rückkehr des Swift BoatDonnerstag, 11. September 2008
John McCain hat lange gebraucht, um eine klare Angriffslinie gegen Barack Obama zu finden. Viele Wochen verstrichen, bis McCains koordinierte Attacken starteten. Attacken, die wir schon viel früher erwartet hatten. Denn die lockere Leitmaxime der Republikaner geht in etwa so: Definiere den Gegner nach Deinen eigenen Regeln und zwar so schnell wie möglich!
Diese Strategie wird seit dem Wahlkampf George W. Bushs gegen John Kerry mit dem schillernden Verb „swift boating“ umschrieben. Damals war es eine Gruppe dubioser Vietnam-Veteranen, die sog. „Swift Boat Veterans for Truth“, die Kerrys heroische Militärzeit in Vietnam massiv in Zweifel zogen. Da diese Attacken weitgehend unbeantwortet blieben, schafften es die Republikaner, John Kerrys Stärke – der Dienst für das Vaterland - in eine Schwäche zu verwandeln und ihn als elitären, unpatriotischen Gesellen darzustellen. Ähnliches passiert nun mit Obama. Es geht diesmal nicht um Vietnam, aber wieder um eine Menge Halbwahrheiten. John McCain, der noch zu Beginn des Hauptwahlkampfes eine zivile, respektvolle Kampagne versprochen hatte, schlägt mittlerweile erbarmungslos auf Obama ein; mit allem, was man in der Trickkiste der Gegnerbeobachtung finden kann. Seine Strategie: McCain möchte das Rennen zu einer Personenfrage zwischen ihm und Obama machen. Das ist schlau, denn so isoliert er den Wahlkampf von Negativstimmungen gegenüber der Republikanischen Partei und ihrem unbeliebten Präsidenten. McCain fährt die alte Taktik der Swift Boater auf. Er macht Obamas persönliche Stärken –Charisma, Wandelrhetorik, positiver Stil – ganz einfach zu Schwächen. Mit viel Chuzpe und SEHR verdichteten Argumenten. Im Juli hatte McCains Team – allen voran sein neuer Kampagnenleiter Steve Schmidt – endlich ein Thema gefunden, mit dem sie dem jungen Senator aus Illinois beikommen konnten. Obama hatte die Schraube der Hyperinszenierung mit Auftritten vor 75.000 Zuhörern in Oregon und 200.000 Menschen in Berlin zu weit gedreht. McCains Team nutzte diese Gelegenheit, um Obama als elitären Superstar darzustellen, der gottgleich über den Problemen der Menschheit schwebte, der aber mit dem Alltag des Durchschnittswählers nicht mehr viel zu tun hatte. Sie stilisierten ihn zum egomanischen Halbgott und Schönredner. Der amerikanische Held McCain betonte hingegen einfach nur sein handfestes „America First“. Noch haarsträubender. Obama war angetreten, um einen positiveren Ton im Wahlkampf anzuschlagen. Er wollte Schluss machen mit der Negativität, mit dem Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung. Als er sich dann doch einmal zu persönlicher Kritik an Sarah Palin hinreißen ließ, spielten die Republikaner sofort das Unschuldslamm und fragten pathetisch: Was ist bloß mit der Politik der Hoffnung passiert? Oben drauf packten die McCain-Leute einen Schuss alte Kampfrhetorik gegen die Linksliberalen im Land. Obwohl Obama in den Umfragen ein Kompetenzvorsprung bei den dringlichsten Problemen des Landes – Energie, Wirtschaft, Arbeitsplätze – bescheinigt wird, dreschen sie mit den alten Slogans auf ihn ein: Obama will Euch die Steuern erhöhen, er will Euch zum Knecht der Bürokratie machen, er will Euch in Eure weiße Kleinstadt-Werte-Welt hineinregieren. Das kleine Ein-Mal-Eins des Schmutzwahlkampfes. Hier ist es aufgeführt. Durch diese Schläge unter die Gürtellinie hat McCain gute Chancen, sich am Ende gegen den derzeit um Fassung ringenden Obama durchsetzen können. Aber es bleibt die Frage: „What happened to the good, old, fair McCain?” McCain mit RückenwindDonnerstag, 11. September 2008
Kampagnen sind Kämpfe um Konstruktionen. Sie sind verdichtete Beschreibungen, es geht um das pointierte Argument, nicht um endgültige Wahrheiten. Das zeigt einmal mehr John McCain. Auf dem Parteitag scheint er eine passende – Theoretiker würden sagen „viable“ - Konstruktion gefunden zu haben.
Zusammen mit seiner neuen Vize-Wunderwaffe Sarah Palin geriert er sich in den letzten Tagen konsequent als Reformer und Washingtoner Außenseiter. Der selbst ernannte "Maverick" bezeichnet das Milieu, in dem er selbst seit über 26 Jahren gewirkt hat, als „old, do-nothing crowd.“ Auch Brückenbauer zwischen den beiden politischen Lagern will McCain sein. Er denkt sogar offen darüber nach, mehrere Demokraten in seine zukünftige Administration zu holen. Reform, Brücken bauen …? Auf diese Themen hatte Barack Obama doch bereits sein Patent angemeldet. McCain ist das egal. Gezielt versucht er, Obamas Stärken zu dekonstruieren, indem er sich - mit viel Chuzpe - selbst den Mantel des Reformers überstülpt. Bisher ist er damit erstaunlich erfolgreich, trotz konservativem Mainstream-Programm und 90 Prozent Zustimmungsrate zu Bushs Politik. Der Kampf um das Schlagwort des Jahres ist eröffnet. Es geht um Change, Change, Change… Was das heißt, halten beide Kandidaten sehr vage. Obama genauso wie McCain. Interessant ist, dass Obama – im Gegensatz zu McCain - ein handfestes Programm für einen echten Wandel hätte. Universelle Krankenversicherung, grundlegende Reform der Zuwanderung, Ende der Bush-Steuerkürzungen für Reiche, konsequentes Umsteuern bei Klima und Energie. Der junge Senator scheint aber erstaunlich zögerlich, diese Punkte selbstbewusst zu vertreten. Einmal mehr lässt er sich vom republikanischen Wohlfühl-Patriotismus-Kleinstadt-Werte-Wahlkampf in die Ecke drängen. Dazu passen die neuesten Umfragen. Laut Washington Post ist Obamas Vorsprung nach dem Parteitag komplett weg geschmolzen. Er liegt denkbar knapp mit 47 zu 46 Prozent vor McCain. Andere Umfragen von CBS und NBC zeigen den alten Haudegen sogar mit zwei Prozent vor Obama. McCain hat Rückenwind. Keine Frage. Der Grund dafür ist aber nicht unbedingt seine intensivierte Reformrhetorik, sondern ganz schlicht und einfach Sarah Palin. Bei weißen Frauen hat McCain in den letzten Tagen ein Defizit von acht Prozentpunkten in einen Vorsprung von zwölf Prozent umwandeln können. Die selbst ernannte „hockey mom“ bringt den Wandel. Zumindest in den Umfragen. Register to VoteMontag, 8. September 2008
Viele Amerikaner, die in Berlin leben, wissen gar nicht, dass sie von hier aus wählen können. „Deshalb bin ich hier und informiere darüber“, sagt Kit Baker. Der Theaterproduzent hat seine Mittagspause in ein Cafe in Berlin-Mitte verlegt, um dort den zahlreichen amerikanischen Gästen bei der Registrierung zur Briefwahl zu helfen.
Das Prozedere ist ganz einfach. Das Bestellformular hat Kit Baker schon in der Tasche, und wer seine Sozialversicherungsnummer etc. zur Hand hat, kann die Daten gleich an sein Home County schicken. Die dortigen Behörden schicken dann den Wahlschein zu, auch nach Berlin. Die Zielgruppe der Amerikaner im Ausland ist gar nicht so klein, allein auf MyBo finden sich die verschiedensten Gruppen, die sich auf Amerikaner im Exil konzentrieren: American Expats in Paris for Obama, Americans Abroad for Obama, Americans in Berlin for Obama, Americans in Germany for Obama, Artists and Wrtiters in Berlin for Obama. Kit Baker ist in Mitglied in allen fünfen.
McCain: Kämpfer für den Wandel?Freitag, 5. September 2008
Es war keine schlechte Rede. John McCain setzte seine Botschaften klar und deutlich. Er will ein Kämpfer für den Wandel sein, er ist ein authentischer Patriot und pragmatischer Querdenker. Das kommt in Zeiten, in denen Präsident Bush so unbeliebt ist, dass er nicht einmal namentlich von John McCain erwähnt wurde, gut an. Nur einmal ging er auf Bush ein, ganz am Anfang der Rede, als er ihm dafür dankte, das Land nach dem 11. September sicher durch schwierige Zeiten geführt zu haben. So sieht also ein Wechsel an der Spitze einer Partei in den USA aus, die harte Zeiten hinter sich hat.
Insgesamt fehlte der Rede aber die nötige Leidenschaft. Natürlich musste McCain nach den Attacken seines „Pitbulls“ Sarah Palin am Vortag bewusst zurückhaltender und staatsmännischer auftreten. Aber irgendwie kam man nicht von dem Eindruck los, dass der Senator hier einfach nur eine seiner normalen Wahlkampfreden hielt. Erst am Ende des Vortrags hatte er die Halle auf den Füßen, als er durchaus überzeugend in die Menge rief: „Fight with me. Fight for what is right. […] Stand up. We are Americans. We never give up.“ McCain wollte sich als Kämpfer inszenieren (das Wort „fight“ benutzte er 43-mal), aber sein Auftreten unterstützte diese Aussage nur bedingt. Es war alles etwas zu hölzern, etwas zu statisch. Zudem passte seine Botschaft des pragmatischen Eigenbrötlers, der unideologische Lösungen für das Land sucht, der die Grabenkämpfe der Parteien hinter sich lassen will, so gar nicht zum Publikum in der Halle, die gefüllt war mit einer überzeugt konservativen Gemeinde, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, als mit der linksliberalen Gegenseite in den Ring zu steigen. Auch die Botschaft, Washington zu reformieren, blieb hohl. Und dies nicht nur, weil McCain seit über 26 Jahren in derselbigen Stadt seinen Dienst verrichtet. Außer bei den Themen „Klima“ und „Energie“ konnte McCain keine richtige Distanz zur Politik George W. Bushs herausstellen. Er bewegte sich voll im republikanisch-konservativen Mainstream, das zeigte nicht zuletzt das höchst ideologische Programm, das die Delegierten am Vortag verabschiedet hatten. McCain hatte seine stärksten Momente, als er über seine fünfjährige Zeit im Gefangenenlager in Nord-Vietnam sprach, als er seinen Kampagnenslogan des „America First“ betonte. Patriotismus, die Liebe zum Land, selbstloser Dienst für die Nation, das waren in der Tat die Klammern, die diese Rede zusammenhielten. Diese Botschaften kann McCain authentisch vermitteln. Sie machen seine Person für viele Amerikaner attraktiv. Ob das allerdings reicht, die Wahl zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Hier McCains Rede: Sarah Palin: Pitbull mit LippenstiftDonnerstag, 4. September 2008
Die Entscheidung für Sarah Palin war irrational und spontan, typisch McCain-esk. Traditionelle Kandidaten wie Gov. Tim Pawlenty oder Mitt Romney nahm McCains Kampagne lange in den Blick, sie führten die üblichen intensiven Background-Checks durch, sie machten Hoffnung. Und dann entscheidet sich der politische Haudegen innerhalb weniger Tage für Sarah Palin, die „hockey mom“ aus Wasilla, fünffache Mutter, bald Oma und stramm konservative Gouverneurin von Alaska.
Die Presse hatte ihren Spaß an der nahezu unbekannten Palin. Endlich gab es mal wieder etwas zu recherchieren, aufzudecken, kritisch zu beäugen. Und zwar zu Recht. Wir mussten und müssen mehr über diese Frau aus dem hohen Norden wissen, über ihre politische Einstellung, über ihr politisches Handeln, über ihren Charakter. Immerhin könnte sie im nächsten Jahr die Nummer Zwei im Staate werden, mit Optionen auf das Oval Office. Natürlich wünschen wir John McCain alles Gute, aber bei einem 72-jährigen Präsidenten dürfte ein solcher Gedankengang erlaubt sein. Mit Spannung wurde deshalb die Rede der Politnovizin erwartet. Schnell merkte man, dass der Parteitag sie auf Gedeih und Verderben lieben wollte. Palin enttäuschte die Delegierten nicht. Frisch, dynamisch, selbstbewusst stand sie auf dem Podium in St. Paul und teilte kräftig aus, ganz nach ihrem Motto: „Do you know what they say the difference is between a hockey mom and a Pit Bull? Lipstick!“ Mit kräftigen, humorvollen Einzeilern, die ihr das McCain-Team aufgeschrieben hatte, stilisierte sie sich als bodenständige Durchschnittsamerikanerin, die ihr Land liebt und Linksliberale verabscheut. Geschickt nahm sie die Kritik an ihrer Eignung als Vizepräsidentin auf und wendete sie gegen Barack Obama. Sätze wie dieser brachten die Halle zum Kochen: „Before I became governor of the great state of Alaska, I was mayor of my hometown. And since our opponents in this presidential election seem to look down on that experience, let me explain to them what the job involves. I guess a small-town mayor is sort of like a 'community organizer,' except that you have actual responsibilities." Palin kritisierte auch die Presse, indem sie ihr offen vorwarf, Teil des Washingtoner Establishments zu sein und keinen Respekt vor dem kleinstädtischen Amerika zu haben: „I'm not a member of the permanent political establishment. And I've learned quickly, these past few days, that if you're not a member in good standing of the Washington elite, then some in the media consider a candidate unqualified for that reason alone. But here's a little news flash for all those reporters and commentators: I'm not going to Washington to seek their good opinion - I'm going to Washington to serve the people of this country.” Stolz auf Land, Kleinstadt, Familie, Glauben und Militär, so präsentierte sich Palin. Damit traf sie das Gefühl der Delegierten, die nach langen Monaten der Niederlagen und Demütigungen sehnsüchtig nach einem neuen Star am konservativen Sternenhimmel gierten. Den kraftvollsten Satz hatte sie sich aber für das Ende ihrer Rede aufgespart. Dieser Satz deutet die Marschrichtung an, die McCain in den nächsten acht Wochen einschlagen wird: „Here's how I look at the choice Americans face in this election. In politics, there are some candidates who use change to promote their careers. And then there are those, like John McCain, who use their careers to promote change." Das Motto: Obama als elitärer, abgehobener Politiker, der seine Kampagne primär aus narzisstischen Gründen führt. McCain als treuer, selbstloser Held, der unbeirrt für den richtigen Weg des Landes kämpft. Die Delegierten liebten Palin. Aber erst die nächsten Wochen werden zeigen, ob sie die Stärke, Erfahrung und Kraft besitzt, auf der nationalen Bühne zu bestehen. Hier der erste Teil der Rede Palins:
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